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VERLUST EINES ANGEHÖRIGEN

 

In einem Workshop haben wir von Sterbebegleitung und von der Rolle der Bodhisattvas gesprochen. Meiner Erfahrung nach gibt es ein anderes Thema, was die Sterbenden betrifft und was ich für sehr wichtig halte: die Begleitung der Menschen, die überleben, ob es jetzt Eltern oder Kinder sind oder Schüler von einem Meister. Welche Rolle und Aufgabe hat ein Bodhisattva bei einer derartigen Begleitung, die oft sehr langwierig und auch schwierig ist?

Zunächst das Akzeptieren der Schwierigkeit, in der sich der Hinterbliebene befindet. Es wäre ein Fehler zu sagen: „Die Person ist nun mal gestorben. Klammere dich nicht an sie.“ Manche sagen: „Ein Jahr Trauer ist in Ordnung, aber länger ist nicht normal.“ Es gibt die Tendenz, Leute zu kritisieren oder nicht zu akzeptieren, deren Trauerperiode länger dauert. Manchmal spricht man auch von ‚pathologischer Trauer’. Ich denke, dass man kein Urteil über die Art und Weise fällen kann, wie Menschen trauern. Jeder macht es, wie er kann.

Ich habe aber den Eindruck, dass manche Personen Trauer nur schwer loslassen können, weil sie den Eindruck haben, sie würden den Verstorbenen verraten oder vergessen. Als wäre eine Verbindung der Liebe und Treue durchtrennt, wenn man keine Trauer mehr verspürt. Das kann Ursache dafür werden, dass man Gefangener seiner Trauer wird, nicht, weil sie nicht vergeht, sondern weil man sie nicht gehen lassen will. Dann klammert man sich an den Schmerz als eine Art Liebesbeweis: Ich werde dich nie vergessen.

Dabei geht es überhaupt nicht darum, jemanden zu vergessen. Meister Deshimaru ist seit genau dreißig Jahren tot, und ich habe ihn nie vergessen. Aber ich verweilte nicht lange in der Trauer um seinen Tod und fühlte mich nicht schuldig, dass ich nicht übermäßig traurig war. Ziemlich schnell habe ich mich gefragt, was er sich wünschen würde, wenn er uns jetzt sehen könnte. Für mich war das die beste Art und Weise, ihn lebendig zu halten, indem ich seinem Geist, seiner Absicht folgte. Und es war bestimmt nicht in seiner Absicht, dass seine Schüler dreißig Jahre traurig wären. Im Gegenteil wollte er, dass wir ausgehend von seiner Unterweisung unsere eigene Unterweisung erschufen, damit das Dharma weitergegeben werden konnte.

Den möglicherweise größten Schmerz verspüren Eltern, wenn sie ein Kind verlieren. Aber wenn man an das verstorbene Kind denkt und sich überlegt, wie es für es wäre, wenn es uns in unserem Schmerz sähe, wäre es sicher nicht glücklich darüber, durch seinen Tod dafür verantwortlich zu sein. Es ist schlimm genug, tot zu sein.

Stellen wir uns vor, es gäbe eine Art Leben nach dem Tod – und ich neige dazu, dies zu glauben, stellen wir uns vor, ein Kind hätte nach seinem Tod eine schöne Wiedergeburt. Aber in dieser Wiedergeburt wäre seine Freude dadurch getrübt, dass sein Tod die Ursache für die ewige Trauer seiner Eltern wäre.

Ich neige dazu, den Eltern zu sagen: Wenn ihr euer Kind wirklich geliebt habt, tut das, was sich das Kind gewünscht hätte, das ihr tut. Es geht natürlich nicht darum, es zu vergessen. Aber lebt weiter, seid fröhlich, führt ein normales Leben und folgt nicht eurem Kind in den Sarg.




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